ARAtirol reagiert mit einem offenen Brief auf einseitige Darstellung von Gewalt an einer Schule


GEWALT: Mutter verzweifelt...

...titelte die Tiroler Krone gewohnt reißerisch am 19.6.2022 und berichtete im Beitrag von einem Protokoll des Schreckens an einer Innsbrucker Mittelschule. Laut Protokoll gab es an besagter Schule mehrere Opfer von Gewalt und einen Täter, Schüler B, der als alleiniger Aggressor dargestellt wird. In ihrem Bericht übernimmt die Tiroler Krone ohne jegliche weitere Recherche die Darstellung einer Mutter und macht damit in gewohnter Weise ihren Job. Leider übernahmen in weiterer Folge auch viele Stadtpolitiker:innen völlig unreflektiert die einseitige Version, siehe weitere Berichterstattung vom 20.6 und 21.6. Beiden entging dadurch das wesentliche Kernelement.

Denn: Die Mutter von Schüler B, der als alleiniger Aggressor dargestellt wird, ist bereits vor Wochen an ARAtirol herangetreten. Mit viel Einsatz, Reflexion und Geduld sucht sie intensiv nach einer Lösung für ihren Sohn, der von einigen Mitschüler:innen, aber vor allem auch von einzelnen Eltern massiv und wiederholt rassistisch beleidigt wurde. Diese Beleidigungen stehen außer Zweifel und wurden auch vom Personal an der Schule bestätigt. Am Gipfel der rassistischen Diffamierungen kam es zu einer körperlichen Auseinandersetzung, bei der beide Parteien verletzt wurden.  Beide Parteien erstatteten Anzeige, die Schuldfrage wird also bei Gericht geklärt. Schüler B schildert den Vorfall in seiner Zeugenaussage, wodurch ein völlig neues Licht auf die Ereignisse und den Bericht in der Tiroler Krone fällt. Er schildert dabei auch konkret die rassistischen Beleidigungen und er und seine Mutter haben uns erlaubt, Auszüge daraus zu veröffentlichen.  Die Überschrift könnten wir allerdings übernehmen:
 
GEWALT: Mutter verzweifelt...

clay banks Y9SkgP6TEFo unsplash
Nach wiederholten rassistischen Übergriffen wurde ein Schüler an einer Innsbrucker Mittelschule schließlich auch körperlich verletzt. Er erstattete Anzeige bei der Polizei und musste ärztlich behandelt werden. In ihrer Verzweiflung wandte sich die Mutter an eine Beratungseinrichtung für Rassismusopfer. …

Foto: Jay Banks auf unsplash
 

 

 

 

 

ARAtirol hat den Innsbrucker Bürgermeister und den Innsbrucker Gemeinderat in einem offenen Brief auf die komplexe Sachlage hingewiesen. Es gibt auch heute noch mitten in der Gesellschaft Menschen, die nach wie vor rassistisch kategorisiert sind. Und es gibt nach wie vor Menschen, die aus dieser Kategorisierung Privilegien ziehen bzw. auf dieser Basis glauben ungestraft verbal und gewaltförmig diskriminieren zu dürfen. Diese Machtrelationen wirken auch in vorliegendem Fall. Das Bewusstsein für diese toxischen Machtverhältnisse ist in der Gesellschaft, in der Politik und in den Medien dünn gesät.
ARAtirol und viele weitere NGOs arbeiten daran, dieses Bewusstsein zu erweitern und die Stimme von Opfern rassistischer Gewalt zu dokumentieren und zu (ver)stärken.

ARAtirol, 28.6.2022